Dienstag, 30. September 2008

Macho, Macho - oder: Baggern auf argentinisch

¡Hola Leser!
Heute moechte ich mich doch endlich mal dem Mythos vom Latin Lover zuwenden (Ich weiss, darauf habt ihr insgeheim schon gewartet).

Wie einer ausieht, ist euch wohl allen klar. Die jungen Herren erfuellen groesstenteils dein argentinischen Stereotyp - hellere Haut als im restlichen Suedamerika, dunkle Augen, schwarze Harre, oft Loeckchen (ja, auch die Dauerwelle fuer den Herrn findet hier noch Abnehmer), und auch oft etwas laenger getragen. Ein Revival hat hier auch der Popperschwanz (bei dem Musikgeschmack nicht verwunderlich; im Internetcafe laeuft gerade Boy George mit "Chamachamachamelion"...). Dieser wird modisch auch gern mal zum Rastazopf verfitzt. Fussballtrikots sind natuerlich DAS Oberteil. Ansonsten wird auch Babyspeck zur Schau getragen, wie auch Chucks/Converse-Turnschuhe zu jeder Gelegenheit (Jeans, Anzug, Schuluniform,...).

Die Herren legen eine etwas offenere Art an den Tag, und nicht nur, was die ersten drei Hemdknoepfe und das Brusthaar betrifft. Besonders blonde und rothaarige Maedels (Findefuechse aufgepasst!) werden auf der Strasse im Vorbeigehen mit Pfiffen oder verbalen Blumen bedacht. Von den Blicken fang ich gar nicht erst an. Die meisten der Sprueche versteh ich zum Glueck nicht, muss man auc nicht, da die Maenner keine Antwort erwarten. Dreht man sich doch mal rum und fragt hoeflich nach, winken sie schnell ab und/oder bekomen einen roten Kopf. Die Argentinerinnen gehen normalerweise immer weiter und ihnen wird eingeredet, dass die Sprueche Komplimente waeren... Ja nee is klar...

Die meisten Maenner sind absolut unselbststaendig, was den Haushalt angeht. Es ist normal, dass sie bist zu ihrer Hochzeit bei Mutti und Vati wohnen (oft auch oekonomisch notwendig). Und viele Muttis sind natuerlich richtige Mammas, was wohl an der italienischen Abstammung vieler Argentinier liegt. Der Freund meiner Mitschuelerin (sie ist aus den USA, er ist von hier; sie wohnen nun gemeinsam in einer Wohnung), kann sich nicht mal einen Kaffee selbst kochen... Das ist kein Witz! Die Waesche wird zum Waschen zu Mutti gebracht, weil die macht das ja gern... (inkl. legen und buegeln).

Frauen werden generell nicht unbedingt gleich behandelt bzw. als gleichwertig erachtet. Nicht im rechtlichen Sinne, sondern einfach mentalitaetsbedingt. Ihnen wird ein Koerperverstaendnis eingeredet, was Herrn Dr. Mang in Starnberg die Freudentraenen in die Augen treiben wuerde. Plastische Chirugie ist in ganz Suedamerika sehr populaer, aber hier einfach auf die Spitze getrieben.
Die Dame zur Rechten zum Beispiel ist eine der populaersten Moderatorinnen im Land. Sie hat mindestens eine Show pro Abend. Ja, nervt wie Heidi Klum,
ausser, dass sie hier (Susana Giminez) eine Whisky-und starker-Raucher-Stimme hat. Was man zu ihr vielleicht noch wissen sollte, ist, dass sie zarte 65 Jahre alt ist... zumindest einige ihrer Koerperteile... Ich gebe ihr noch 5 Jahre, dann sieht sie aus wie die Mutter von Sylvester Stallone...
Sie ist auch kein Einzelfall. In den Medien und auch hier auf dem "arentinischen Broadway" bewegen sich fast ausschliesslich operierte Damen.
Der Operationswahnsinn nimmt bedenkliche Formen an. In Suedamerika ist es ueblich, dass die Maedels ihrer 15 Geburtstag gross feiern, entweder eben mit einer grossen Feier oder mit einer Reise. Inzwischen wuenschen sich viele Maedchen anstelle der Party oder der Reise eine Brustoperation. Mit 15!!! Ein tolles Bild, was den jungen Frauen hier vermittelt wird.
Und die Herren, wenn die denn mal aus ihrem Babyspeck herausgewachsen sind?! Bekommen einen fetten Bauch vom Essen, viele Haare auf der Brust und dem Ruecken und schicken den jungen Maedels obszoene Sprueche auf der Strasse nach.
Was sind die deustchen Maenner nett... ;-)

Sonntag, 21. September 2008

Öffentlicher Personennahverkehr in BA - hier wird Nähe gross geschrieben...

Ein grosser Spass ist die Benutzung des ÖPNV hier. Man hat die Wahl zwischen Zug, Bus und U-Bahn (hier heisst das Subte). Zuege werden besonders von den Leuten benutzt, die weiter auserhalb in den Vororten oder in der Provinz Buenos Aires wohnen. Die laufen meistens ganz gut, ausser, wenn die Gewerkschaft mal wieder streikt. Dann kann es passieren, dass der wuetende Mob ein paar Zuege in Brand steckt (ohne Passagiere drin!).
Die Busse hier decken mehr oder weniger das gesamte Stadtgebiet ab. Die fahren sehr regelmaessig und auch die ganze Nacht durch. Wenn man einsteigt, bezahlt man direkt an einer Maschine, die vom Fahrer bedient wird. Das Problem dabei ist nur, dass man den Bus ausschliesslich mit Muenzen bezahlt. Scheine werden nicht angenommen. Wo das Problem ist? Der Metallwert der Muenzen ist hoeher als der auf der Muenze abgebildete Wert (=Nominalwert). Also verkaufen findige und windige Typen die argentinischen Muenzen nach Brasilien, wo sie eingeschmolzen werden und das daraus gewonnene Metall weiterverkauft wird. Argentinien kann aber nicht staendig neue Muenzen nachproduzieren, weil das Metall dafuer so teuer ist. Also gibt es hier staendig Probleme, Muenzen zu bekommen. Die Geschaefte wechseln nicht und selbst bei Wechselgeld sind sie knauserig. Mich hat man an einem Kiosk auch schon mit Schokolade bezahlt, weil sie kein Wechselgeld hatten...
Also bleibt einem noch die Subte. Die ist ein besonderer Spass zur Rushhour am Morgen und am fruehen Abend. Dann ist es so voll darin, dass man Briefmarken pressen koennte. In Japan gibt es sogenannte Pushman, die die Leute in die U-Bahn reinpressen, damit so viele wie moeglich reinpassen (was fuer ein Job!). Hier braucht man diese nicht. Ich hab frueh schon vier oder fuenf Zuege durchfahren lassen muessen, weil ich nicht mehr mit reingepasst hab. Es ist echt uebel. Teilweise ist es schwierig noch zu atmen, weil man den Rucksack von irgendjemanden in den Ruecken gedrueckt bekommt und von vorne zwei bis drei Ellenbogen im Brustkorb stecken hat...
Also, was bleibt?! Laufen...

Es gibt auch neue Fotos: http://picasaweb.google.com/julesworldwide/BuenosAires#

P.S.: Und natuerlich ist heute frueh, am Montag morgen, die Subte einmal komplett ausgefallen...

Dienstag, 9. September 2008

Ich habe ein paar Fotos von Buenos Aires hochgeladen. Dann bekommt ihr vielleicht sprichwoertlich ein besseres Bild von der Stadt:

http://picasaweb.google.com/julesworldwide/BuenosAires#

Sonntag, 7. September 2008

Schlaflos in Buenos Aires

Wieder ein Wochenende fast vorrueber. Mein zweites in Buenos Aires. Und beide nicht miteinander zu vergleichen. Am vergangenen Freitag hatten mich zwei Briten aus der Sprachschule gefragt, ob ich abends mit ihnen was machen moechte. Ihr Mitbewohner aus Oesterreich haette seinen leztzten Tag in BA. Super, hab ich natuerlich zugesagt. Obwohl der Abend nicht wirklich sinnvoll zum Anwenden unseres erlernten Spanischs war. Zunaechst haben wir uns in einem vorzueglichen Restaurant fuer den restlichen Abend gestaerkt. Aber was heisst Abend: wir haben uns den Argentiniern angepasst und erst um 11 Uhr gegessen. Die Steaks waren fantastisch, krosse Kruste vom Holzkohlegrill und innen butterzart. Dazu gab es verschiedene Salate und Saucen. Wir haben uns aber jeweils eine Portion geteilt, weil die "normalen" Portionen hier mind. 500 g Fleisch sind.
Dannach sind wir in verschiedene Kneipen und Bars in Palermo gezogen. Das ist das beliebteste Ausgehviertel in BA. Als wir um kurz vor 3 muede in ein Taxi gefallen sind, war auf der Strasse noch die Hoelle los. Menschenmassen und auch viele Autos. Die meisten Lokale hatten noch offen und auch einige Buchlaeden (?!). Wo wir Deutschen nach Hause fahren, legen die Argentinier ersteinmal los. Gerne auch bis um 8 oder 9 Uhr morgens.
Samstag habe ich den beruehmten Friedhof im Stadtteil Recoleta besichtigt. Hier liegen viele der argentinischen Generaele, Praestidenten und die Buergermeister der Stadt, und was sonst noch Rang und Namen hat(te).
Fuer den Abend hatte meine Vermieterin Karten fuers Theater. Sie war frueher selbst Schauspielerin und kannte einige der Mimen des Stuecks. Da ihre Freundin kurzfristig abgesagt hatte, bin ich "eingesprungen" und mitgegangen. Aber vorher musste ich noch schnell Schuhe kaufen (wirklich schnell - unter einer Stunde!!!!). Ich wollte nicht mit Turnschuhen ins Theater. Wie gut, dass ums Eck das Schuh-Outlet ist :-) Ca. 10 Euro aermer, dafuer mit neuen halbhohen Ballarinas, ging es dann zur Vorstellung um 21:30 Uhr. Alles habe ich natuerlich nicht verstanden, aber da das Stueck eher der seichten Unterhaltung zuzuordnen war, konnte ich die Geschichte gut verfolgen. Es ging (wie immer) um Liebe, Eifersucht und (wie immer in Argentinien) Tango. Nach der Auffuehrung haben wir uns noch ein paar Stuecken Pizza genehmigt und sind gegen 1 nach Hause gekommen.
Am Sonntag habe ich erst einmal ausgeschlafen. Dann bin ich eine der Einkaufsstrassen entlang geschlendert (hab nix gekauft!) und in den botanischen Garten gegangen. Zufaellig fand dort gerade eine kostenlose Tangostunde statt. Die habe ich natuerlich mitgenommen, auch wenn es eine Spezialform des Tangos war (Tango Cayengue fuer die ADTV-Mitglieder unter uns). Hat Spass gemacht, auch wenn mein Tanzpartner eine mittelalte, etwas uebergewichtige Raucherin war, anstelle eines gutaussehnden Latinos.
Jetzt am Freitag hatte ich erneut eine Tangostunde in einer "ordentlichen" Tanzschule. Wir waren nur 3 Personen zum Gruppenunterricht, also mal wieder ein Strike. Ansonsten habe ich dieses Wochenende wirklich nichts gemacht. Das Wetter war eher Bescheiden, der Winter hatte sich mit 6 Grad und Regen zurueckgemeldet. Auf ein Museum hatte ich aber auch keine Lust, also Sofa und Fernseher. Morgen ziehe ich in die andere Wohnung, nahe meiner Schule um. Mehr dann von dort.

Dienstag, 2. September 2008

La dulce vida - oder: da muss noch etwas Zucker drauf


¡Hola! Da ich mich die naechsten Wochen ausschliesslich in Buenos Aires aufhalten werde, ist es vielleicht an der Zeit, Naeheres zur argentinischen Lebensweise zu erfahren. Beginnen werde ich natuerlich mit etwas zu Essen, praezieser und noch weniger ueberraschend mit Suessspeisen.

Wichtig zu wissen bei argentinischen Suessspeisen ist, dass die Desserts, Kuchen, Kekse, etc. hier wirklich suess sind - ich meine, WIRKLICH suess (und dass sage schon ich!). Ein kleines Beispiel, um diese These zu untermauern: Ich hatte mit meiner Lehrerin Maria Josè ueber Nutella gesprochen und wie gerne ich es esse. Daraufhin meinte sie, dass es das hier in einigen ausgewaehlten Supermaerkten auch zu kaufen gaebe, allerdings waere es fuer argentinische Verhaeltnisse teuer. Und ausserdem - jetzt kommt`s - waere es fuer den argentinischen Geschmack nicht suess genug!!! Wir reden hier von Nutella!!! Es muesse mehr Zucker zugesetzt werden, dann waere es vielleicht auch in Argentinien beliebter (viele Gruesse an die Produktmanager...). Unglaublich! Nutella besteht doch schon zu einem Drittel aus Zucker... Auf jeden Fall werden die meisten suessen Produkte nach dieser Maxime hergestellt.

Das Ein und Alles der Argentinier ist dulce de leche. Das ist ein Aufstrich/Fuellung, der aus erhitzter (verdampfender) Milch und - man ahnt es schon fast - viel, viel Zucker hergestellt wird. Auf einen Liter Milch kommen ca. 250 Gramm Zucker (gerne auch mehr). Es erinnert in der Konsistenz an Karamell, auch farblich, obwohl es etwas dunkler ist. Es soll Anfang des 19. Jahrhunderts von einem argentinischen General erfunden worden sein, der seine Milch mit Zucker auf dem Herd vergessen hat und diese dann zu dulce de leche eingekocht ist. Sein Cousin soll die Masse dann aus Langeweile oder Hunger zum Tee auf seine Kekse geschmiert haben und hat`s toll gefunden. Heutzutage findet sich die dulce de leche ueberall in suessspeisen. Es gibt Eiskrem (Geschmacksrichtung dulce de leche mit einigen Loeffeln "normaler" dulce de leche darin - gerne auch noch mit mehr davon uebergossen), Kekse, Kekse gefuellt mit dulce de leche, Torten, Blaetterteigtaschen gefuellt mit dulce de leche, und, und, und... Die Creme selbst wird auch loeffelweise verdrueckt, dabei soll es wohl nicht selten sein, dass Leute beim Fernsehen 1 Kilo davon verdruecken.
Mir schmeckt die nur bedingt, und ist mir am ertraeglichsten, wenn ich sie auf Sesamcracker schmiere (nur duenn!!!). Ansonsten ist sie mir zu suess...

Die Torten hier sehen in den Schaufenstern der Konditoreien toll aus, allerdings wird auch hier - wie sollte es anders sein - viel Zucker und viel Sahne verwendet. Hier sind Torten und Kuchen wahre Kalorienbomben. Allerdings merkt man auch hier, dass sich doch ein paar deutsche Einwanderer in der Gegend niedergelassen haben muessen. Waerend man deutsches Brot vergeblich sucht (das beste, was ich finden konnte, war Weissbrot mit einem kleinen Anteil an Roggenmehl, aber - man mag es fast ahnen - das Brot schmeckt suesslich), findet man jedoch in vielen Konditoreien und auch einigen Restaurants Strudel auf der Karte. Diesen gibt es ausschliesslich mit Apfelfuellung. Und wem die Sahne darauf noch nicht genug ist, der kann das Ganze mit etwas - ihr kennt die Antwort - dulce de leche toppen.

In diesem Sinne: Guten Hunger!

P.S. Um die Frage gleich vorneweg zu nehmen, nein, es sind nicht alle Argentinier dick. Ich weiss nicht, wie sie es machen, aber hier gibt es trotz dieser Ernaehrungsverbrechen und viel (fast ausschliesslich) Rindfleisch nicht mehr Dicke als in Deutschland.