Beste Gruesse aus Uyuni. Die vergangenen Tage waren sehr schoen und erlebnisreich.
Wir sind von Salta aus direkt zur Grenze nach Bolivien gefahren. Eigentlich wollte ich noch einen Zwischenstop machen, weil ich nicht von 1.500 m auf 4.00 m wollte. Leider haben wir kein Zimmer mehr bekommen, so dass wir direkt fahren mussten. Im Bus hat mich die Hoehenkrankheit dann natuerlich erwischt. Mein Mittagessen habe ich mir dann in der Grenzstadt nochmal durch den Kopf gehen lassen, der auch sehr geschmerzt hat. Nach einer recht kalten Nacht (keine Heizung in den Zimmern dort), sind wir dann ueber die Grenze und mit dem Zug nach Tupiza in Suedbolivien. An der Grenze habe ich als Deutsche 90 Tage Aufenthalt in Bolivien bekommen, Enzo als Peruaner nur 30 ;-)
Die Zugfahrt war hervorragend. Wir haben die Billigklasse gebucht, die echt gut war und fuer die drei Stunden auch absolut ausreichend. Die Landschaft, die an den Fenstern vorbei rauschte, war grandios. Der Zug schlaengelt sich durch die Anden, man passiert kleine Doerfer, die wie vor 200 Jahren anmuten, und sieht mit gruenem und gelben Gras bedeckte Berge, viele Kakteen und natuerlich ein paar Lamas.
Dann haben wir in Tupiza (20.00 Einwohner und damit eine Anden-Metropole) uebernachtet und eine heisse Dusche genosen (auch hier keine Heizung, dafuer aber eben heisses Wasser). Den Sonntag haben wir in dem Staedtchen vertroedelt, weil unsere Tour (4 Tage) erst am Montag begann. Enzo wollte nicht "soviel" Geld ausgeben (umgerechnet viell. 100-110 € fuer 4 Tage inkl. allem) und ist am Montag irgendwann woanders hingefahren. Ich weiss nicht wohin, hab grad nur ne Nachricht gelesen, dass er Bolivien scheisse findet und Richtung Iguazu (tolle Wasserfaelle an der Brasilianisch-Argentinischen Grenze) faehrt. Also reise ich allein weiter. Ist mir auch recht, wir Europaeer sind eben anders als manch Suedamerikaner ;-)
Am Montag sind wir dann also auf Tour gegangen. In der Umgebung von Tupiza haben Butch Cassidy und Sundance Kid ihr Unwesen getrieben. Durch dieverse an Western erinnernde Schluchten ging unsere Tour los - aber mit 3 Stunden Verspaetung. Wir waren zwei Minuten gefahren, da sind wir leider auf ein anderes Auto aufgefahren. Also Unfall mit Polizei holen usw. Dann zur ersten Polizeistation. Dort sprang dann der Wagen nicht mehr an, also schieben, bis er wieder ging. Dann zur zweiten Polizeistation. dort dann ewig warten (es stellte sich heraus, dass der Fahrer vor uns betrunken war - um 9 Uhr morgens!!!). Dann Fahrerwechsel. Den neuen Fahrer abholen. Die Sachen des alten Fahrers abladen und dessen Mutter nach Hause fahren (sie hatte seine Sachen, er war noch auf der Polizei). Dann zum neuen Fahrer nach Hause, seine Sachen schnell packen. Dann zu seinem Bruder fahren, damit der seiner Frau Bescheid sagt, dass er 4 Tage auf Tour ist. Und dann endlich los...
Unsere Gruppe bestand aus fuenf Personen: einer Irin, die wir im Zug kennengelernt hatten und in Tupiza uebernachtet haben, einer Kanaderin und zwei Englaendern und natuerlich mir. Eine tolle Gruppe, muss ich jetzt auch im Nachhinein nach sagen, wir hatten so viel Spass und wenn wir uns mit anderen Gruppen verglichen haben... Wir waren froh, dass wir uns hatten ;-)
Die Fahrt durch die Anden war ein Traum. Gruene Berge, spektakulaere Canyons, Lamas, Guanacos, kleine Doerfer, die einem ersteinmal den Begriff "abgeschieden" verdeutlichen, Silberminen, Goldminen.
Uebernachtet haben wir in einem kleinen Dorf im Niergendwo. Es war bitterkalt. Ich hatte neben meinem Schlafsack (super Anschaffung) drei Decken, dazu eine kleine Flugzeugdecke, Leggins mit Hosen, sowie vier oder fuenf Lagen Pullover und ne Muetze und Handschuhe an - fuer´s Bett, wohlgemerkt. Trotzdem war es sehr schoen und sehr lustig. Neben dem Fahrer hatten wir eine Koechin mit an Bord, die geradeeinmal 15 Jahre alt ist. Ein ganz nettes Maedel, die uns auch immer versucht hat, Dinge zu erklaeren. Leider konnten sie und der Fahrer nur Spanisch, und wir ..naja... Irgendeiner hat immer ein Wort gewusst und so haben wir dass dann zusammen gepuzzelt. Umgekeht mussten wir den beiden einige Liedtexte erklaeren, z.B. Let it be von "los Biet-les" und wer Rasputin war... Ja, wir haben beides hinbekommen ;-)
Am zweiten Tag haben wir verschiedene vulkanische Aktivitaeten gesehen. An der Grenze zu Chile sind die Anden sehr vulkanisch gepraegt. Neben dem blubbernden Schlamm und Geysiren gibt es dort einige Lagunen. In einer heissen Quellen haben wir uns aufgewaermt :-) Am Nachmittag sind wir zu einer grossen Lagune gefahren, in der Flamingos (3 versch. Arten) zu Hause sind. ausserdem waren wir auf du und du mit ein paar Lamas. Sie haben aber nicht gespuckt ;-)
Gestern haben wir an eine aktiven Vulkan herangefahren, der auch wieder fast schon in Chile steht. Nach ein paar weiteren Lagunen und inaktiven Vulkanen haben wir unser Nachlager am Rande der Salar de Uyuni (groesste Salzwueste der Welt mit 12000 km2) erreicht. Dort gab es dann auch endlich wieder eine heisse Dusche :-)
Heute frueh ging es dann zeitig zum Sonnenaufgang los (wir sind eigentlich jeden Tag zwischen um 5 und um 6 aufgestanden, dafuer aber auch spaetestens um 10 oder halb 11 ins Bett). Gefruehstueckt haben wir auf einer Insel in der Salzwueste. Dannach haben wir Fotos geschossen. Aufgrund der schier endlos scheinenden weissen Weite kann man hier fantastisch mit der Perspektive spielen (z.B., dass Leute auf der Schulter einer Person stehen usw.). Nun sind wir in Uyuni un der Ort ist echt haesslich. Die Irin, Kanaderin und einer der Englaender fahren heute abend noch nach La Paz. Ich versuche, einen Nachtbus nach Potosí zu bekommen (einst die reichste Stadt Suedamerikas aufgrund seiner Silberminen). Ansonsten uebernachte ich hier nochmal und mache morgen frueh dorthin. Von dort aus moechte ich dann auch nach La Paz und treffe mich wohl wieder mit den anderen drei.
Also im Nachhinein sind wir alle froh, das wir die Tour von Tupiza aus gemacht haben (wir haetten auch eine 3-Tages-Tour von Uyuni aus machen koennen). Somit haben wir nicht nur die trockenen, staubigen und "wuesten" Anden gesehen, sondern auch die abgelegenen etwas gruenen (auch dort sehr staubig - ich freu mich auf die naechste Waschmaschine). Eine tolle Tour und landschaftlich absolut empfehlenswert. Hat mit besser gefallen als Nordargentinien - und ist dazu noch verschwindent guenstig.
Am Sonntag ist hier ein Referendum, und es werden Demonstrationen und Strassensperren erwartet. Also hoffentlich faehrt mein Bus nach La Paz dann noch :-) Die Opposition hat ein Referendum gegen Praesident Evo Morales erwikt, der aber in der Bevoelkerung unheimlichen Rueckhalt hat. Also wir er am Sonntag eh wiedergewaehlt. Die einzigen, die dagegen sind, sitzen in der Hauptstadt Sucre (ist wohl sehr reich im Vergleich zum Rest des Landes). Also duerfte es zu keinen Ausschreitungen kommen. Ich lass euch informiert :-)
Donnerstag, 7. August 2008
Suedbolivien - wo der Staub zu Hause ist
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